PGH Aufbau

Veröffentlicht am 1. November 2026 um 12:01

PGH „Aufbau“ Schönhausen - Betriebsteil Milow

Im Frühjahr 1953 gründete Milower Klempnermeister Willy Wittstock (1911 - 1994) zusammen mit dem Schönhausener Georg Möwing die „PGH Aufbau Schönhausen“ mit einem Betriebsteil in Milow. Mit insgesamt 11 Mitarbeitern startete die Firma, deren Hauptsitz in Schönhausen/Elbe war. Fünf Milower, neben Firmengründer Wittstock waren dies zunächst Wilhelm Mahnkopf, Dieter Behm, Hansi Bels und Anna Wittig nutzten den neuen Werkstoff PVC (Polyvinylclorid) um diverse Plasteerzeugnisse auf den Markt zu bringen.

Zwei angebaute Räume in der Milower Friedensstraße 26, dienten anfangs dazu Dachrinnenzubehörteile, wie Rinnenkessel herzustellen. Dachrinnen der PGH wurden in den 1950iger Jahren auf dem Brocken getestet. Willy Wittstock „bastelte“ und probierte täglich an neuen Artikeln. Immerhin ließ er persönlich 22 seiner Ideen patentieren!! und sorgte hiermit auch auf der Messe in Leipzig mehrfach für Furore, wo die PGH einen festen Pavillon hatte. Wittstocks bekannteste Erfindung: Seine biegsamen Rohre (Typ „Wi“) die zunächst für Be- und Entlüftung in der chemischen Industrie und später in der Landwirtschaft u.a. für die Drainage (Entwässerung) von Flächen eingesetzt worden sind. Nach einigen Jahren Produktion wurden die Räume auf dem Grundstück des Betriebsteilleiters zu eng. Die kleine Werkstatt, die noch von Klempnermeister Ferdinand Graßhoff (1882) stammte und in der später dessen Sohn Gerhard (Schwiegervater von Willy Wittstock) bis zu seinem Tod (1937) arbeitete, platzte ebenso aus den Nähten wie die Produktion selbst.

Das gegenüber liegende Grundstück Friedensstraße 86 wurde erworben, ein Stall abgerissen und auf dessen Fläche mit Beginn der 60iger Jahre das neue Milower Hauptgebäude errichtet. Die PGH war effektiv aufgestellt und deshalb erfolgreich. Die Mitarbeiter waren qualifiziert und gut motiviert, womit die PGH auf dieser Basis im Ort Milow vielfältig helfen konnte. Ob bei Fahrten, beim Brunnenbau, bei Festen oder Veranstaltungen. Sie unterstützte beispielsweise den Handballsport finanziell und materiell (neben dem KfL und der ZBO) und der Betrieb förderte die sportlichen Mitarbeiter. Spitzenhandballer wie Werner Friesecke, Friedhelm Nack, Dieter Behm, Klaus Schubotz und Jürgen Streit waren zur „Blütezeit“ des Milower Feldhandballs in der PGH beschäftigt.

Willy Wittstocks Absicht vom Geld der PGH er sprach damals von 7 Millionen Mark, eine große Sporthalle nebst Kegelbahn in Milow zu bauen, wurde abgeschmettert mit der Begründung, dass dies der Staat machen würde. Nach einem Beschluss vom Februar 1972 wurde aus der PGH der„VEB Thermoplast“. Rechtlich wurden aus „Teilhabern“ nun einfache Angestellte/Mitarbeiter. An der Produktion änderte sich wenig. Großabnehmer der Milower Erzeugnisse waren die NVA und die Post (Plastik Leitungskanäle für Elektroanlagen). Hauptsächlich waren es dann in den letzten Produktionsjahren die biegsamen Rohre (Wi-Rohre), die den Hauptumsatz ausmachten. Auch Kükenaufzuchtschalen und Pflanzschalen, für Neuzera  Schrankwände wurden hier produziert. In Milow standen bis zu 27 Mitarbeiter in Lohn und Brot. Zwecks Firmenerweiterung wurde 1970 ein Grundstück in Premnitz nahe dem damaligen Hauptbahnhof erworben und ausgebaut, wo später auch „Dixie“ Toiletten geformt wurden. Mit Wittstocks Ausscheiden (1987 war er 76 Jahre alt) und der politischen Wende wurden Produktion und Absatz immer schwieriger und der Milower Betrieb geschlossen. Auch die Umbenennung in „Thermoplast-GmbH“ änderte nichts daran, dass lediglich in Premnitz einige Kollegen noch vorüber gehend Arbeit fanden. Das Milower Hauptgebäude wurde 1992 von der Gemeinde erworben und ist heute Sitz der Gemeindeverwaltung Milower Land.

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