Papp-Fabrik geht wegen CO2-Preis pleite!

Veröffentlicht am 29. Oktober 2026 um 14:42

Nach fast 150 Jahren ist Schluss bei der Pappenfabrik Tullau. Die Produktion an den Standorten in Rosengarten (Baden-Württemberg) und Trauchgau (Bayern) wird eingestellt. Rund 100 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Der vorläufige Insolvenzverwalter sah sich gezwungen, den Betrieb noch vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens stillzulegen. Der Grund: die offenen Verpflichtungen zur Abgabe von CO2‑Zertifikaten. Für die Jahre 2025 und 2026 geht es um fast siebenstellige Beträge. Diese sogenannten „bevorrechtigten Masseverbindlichkeiten“ machen eine Übernahme für Investoren unattraktiv.

Die je rund 45 Mitarbeiter der zwei Standorte, einmal die Karl Kurz GmbH & Co. KG in Rosengarten-Tullau (Kreis Schwäbisch Hall) sowie die Pappenfabrik Trauchgau GmbH & Co. KG mit Sitz in Halblech (Ostallgäu), erhalten aus dem Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit noch ihr Oktober-Gehalt.

Sogar der Insolvenzverwalter spricht gegenüber der Lokalzeitung Kreisbote von einem „sanierungsfeindlichen Gesetz“, das einen Beitrag zur Deindustrialisierung der Republik leiste. Das Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz nehme dem Unternehmen alle Sanierungsoptionen. Sehenden Auges würden Arbeitsplätze vernichtet. Geschäftsführer Matthias Kurz kritisiert, dass übergeordnete umweltpolitische Ziele Vorrang vor dem Erhalt von Arbeitsplätzen bekommen hätten. Die Mitarbeiter hätten in den vergangenen Monaten mit größtem Einsatz versucht, die Betriebe zu retten.

Die Produktion von Vollpappe und Graupappe ist energieintensiv. Bei einer Tonne Pappe fallen rund 600 Euro Produktionskosten an. Davon entfallen etwa 10 Prozent auf die CO2-Zertifikate – bei einer Jahresproduktion von 40.000 Tonnen Pappe (mit einem CO2-Ausstoß von 27.200 Tonnen) wären das allein circa 1,6 Millionen Euro. Hinzu kommen die stark gestiegenen Preise für Strom und Gas. Für mittelständische Unternehmen sind diese 10 Prozent der entscheidende Aspekt, der gegen eine Weiterführung des Betriebs spricht.

 

Gegründet wurde die Pappfabrik 1878 und blieb seither im Familienbesitz. Sie überstand zwei Weltkriege und die Wiedervereinigung. Jetzt endet die Geschichte, weil die Kosten für die CO2-Abgaben nicht mehr leistbar waren.

 

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